Die
Chronik Ekuriens
I. Die Ursprungslegende
II. Das Zeitalter der Großen Schwinge
III. Das Zeitalter der Eisernen Faust
IV. Die Nacht des Sturmes
V. Das Zeitalter des Dreigestirns
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I.
Die Ursprungslegende
Vor vielen hunderten von Jahren stieß der riesige Adler Falîr mit seiner Frau, der Eulenmutter Glediel vom Himmel über dem Berge Nanur herab und errichtete hoch auf dem Gipfel dieses Berges seinen Thron.
Falîrs mächtige Schwingen verdunkelten die Sonne, den Mond und die Sterne. Wenn Falîr sich in die Lüfte
herhob, konnte er gewaltige Stürme hervorrufen, die Berge und Täler entstehen ließen und gewaltige Flüsse und Seen aus dem Boden rissen. Mit seiner Macht ließ er Wälder und Wiesen gedeihen und formte das Land um den Berge
Nanur, so wie er es wollte. Später, als er es für richtig ansah, ließ er die Menschen in sein Land. Diese vermehrten sich schnell und breiteten sich immer weiter aus.
Schließlich wurde es in dem Land zu klein für so viele Menschen und es brach Krieg aus. Falîr erschrak und wusste lange nicht, wieso die Menschen sich bekämpften und zerstritten. Doch als genug Blut geflossen ward, sprach seine Frau, die Eulenmutter zu ihm und sagte ihm, was zu tun sei.
Er sandte seine Söhne, Elas und Banthur, in das Land, welches den Berg Nanur umgab. Ihnen gelang es die Menschen um sich zu scharen und mit Ihnen zum Berge Nanur zu ziehen, wo Falîr und die Eulenmutter Glediel auf sie warteten. Falîr sprach zu den Menschen und versuchte Ihnen zu erklären, dass es nicht gut sei, sich zu bekriegen. Lange Zeit wollten die Menschen den großen Adler nicht verstehen, da wurde Falîr zornig und erhob sich in die Lüfte. Die Menschen bekamen große Angst und suchten Schutz unter den Schwingen der Eulenmutter. Glediel beruhigte die Menschen und zeigte Ihnen schließlich die Liebe.
Und so gelang es dem großen Adler und der Eulenmutter die Menschen durch Furcht und Liebe zu vereinen. Als die Menschen dies erkannten, waren Sie voller Dank. Sie errichteten an der Stelle des Thrones auf dem Gipfel des Berges Nanur den Tempel der großen Schwinge.
Die Menschen nannten das Land fortan Ekurien, nach dem alten Wort für Schwinge
(Ekur, n. = die Schwinge). Die Ekuren entwickelten sich zu einem großen Volk, welches friedlich und mit zunehmenden Stolz über ihr geschaffenes Reich das Land um den Berg Nanur bewohnte.
Falîr, seine Frau und seine Söhne wachten noch lange über ihr Volk und erfreuten sich an den Menschen, bis sie eines Tages die Erde verließen. Doch Falîr sprach zu den Menschen und sagte, dass er wiederkäme und stets ein Aug auf sie hätte.
Die Menschen waren traurig, doch versprachen sie, weiterhin friedlich in dem Land zu leben und den Tempel, das Andenken und den Glauben an Falîr und seine Familie zu ehren.
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II. Das
Zeitalter der Großen Schwinge
Das Volk, welches das Land zwischen dem
Großen Wasser und den Dunkelfelsen bewohnte und sich Ekuren nannte, war ein
raues und erdverbundenes Volk. Es schätze die Kühle der Berge und die Frische
des Windes, welcher durch die kargen Täler des Landes wehte.
Im Zeitalter der großen Schwinge befanden sich die Ekuren auf dem vorläufigen
Höhepunkt ihrer Zivilisation. Dieses Zeitalter war vom ständigen Wachstum und
zunehmendem Wohlstand geprägt.
Ekurien erlebte seine kulturelle Blüte.
Die Städte entfalteten sich, große Landstriche wurden für die Landwirtschaft
urbar gemacht, der Handel mit Ziegenkäse, Fellen und Whiskey, den
Haupthandelsgut der Ekuren, florierte prächtig. Die neu gegründete Stadt
Kliffsee am Großen Wasser, die über Bergpässe und den angrenzenden riesigen
See leicht zu erreichen war, wurde zum Zentrum des Handels mit fernen Völkern.
Der Einfluss fremder Kulturen war an diesem Orte im Gegensatz zum Rest des
Landes sehr stark zu spüren. Die Ekuren der Stadt Kliffsee galten als die
Aufgeschlossensten und wurde oftmals vom eigenen Volk, dass sich gern eher auf
sich selbst besah, eher mit Missgunst betrachtet.
Der Tempel der großen Schwinge, deren Priester – auch als Eulen bezeichnet
– zogen durch die Lande und erinnerten die Menschen an ihr Erbe. Und die
Menschen nahmen dankbar den Segen der Eulen entgegen. Überall im Land
entstanden über die Jahre kleine Tempel und Orte der Eintracht und des
Glaubens. Diese Tempel dienten neben dem segenspendenden Beistand für die
Menschen auch als Zentren der Wissenschaft und Gelehrigkeit.
In der Hauptstadt Wolkenthron, von der aus der Sage nach der Adler Falîr das
Land Ekurien geschaffen hatte, regierten weise und mit dem Segen des Tempels der
großen Schwinge ausgestattete Könige. Diese behaupten von sich aus, das Blute
Falîerselbst fließe in ihren Adern. Die Könige wurden Primarchen genannt und
gaben den Thron stets an ihre Söhne weiter. An ihrer Seite weilten jeweils für
die Dauer von drei Jahren ein vom Volk bestimmter Ekure sowie ein vom Tempel
entsandter Geistlicher, die den Primarchen als Berater dienten. Mit ihrer
Unterstützung lenkten die Primarchen das im Aufschwung befindliche Volk.
Das Zeitalter der großen Schwinge bedeute für die Ekuren, die nicht viel besaßen
aber dennoch gerne teilten, die die klare Bergluft liebten wie ihren Whiskey und
die anderen Kulturen zwar skeptisch aber dennoch freundlich gegenüberstanden,
ein großes Glück.
Dieses Zeitalter sollte für die Ekuren viele Jahrzehnte andauern ehedem die
bestehende Ordnung sich so plötzlich und erschreckend gegen sie richtete.
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III.
Das Zeitalter der Eisernen Faust
Die Zeichen der Zeit hätte nicht deutlicher sein können.
Denn es begab sich zu einer Zeit als Dürre und Armut in dem Land Ekurien
herrschte. Seit mehreren Monden war der Wind erschlafft, der sonst für die
frische Luft auf den kleinen Feldern des Landes gesorgt hatte. Die Sonne brannte
in unbekannter Stärke und hinterließ vielerorts verdorrte Erde. Der sonst
typische Regen, welcher für die Menschen und Tiere so wichtig war blieb aus.
In ihrer Verzweiflung wendeten sich das Volk an den Orden der Großen Schwinge
und ihre Eulen. Doch auch dort gab es keine Lösung für ihre Sorgen. Das Volk
spürte das es einen Ursprung für diesen Wandel des Landes geben musste und sie
waren bereit alles dafür zu tun, ihr altes Ekurien wieder zu erlagen.
Schon seit langem störte sich die Handelsfamilie Niallus, die ihr Kontor in
Kliffsee eröffnet hatte an der gerechten Verteilung der Handelsgüter unter dem
Volk. Wieso sollten sie die Güter und das Gold, das sie durch den Handel mit
den fremden Völkern in Kliffsee erwirtschaftet hatten teilen? Wieso sollten sie
die Waren zu gerechten preisen anbieten und wie konnte es der Primarch wagen sie
dazu zu zwingen ihr Nahrungsmittelreserven nicht zu überteuerten Preisen
anzubieten?
Angeführt von dem schönen, wie auch listigen Soldan Niallus legte die
Handelsfamilie ein geheimes Lager an, in dem sie die meisten Nahrungsvorräte
vor dem hungernden Volk versteckte. Doch dies war nur der erste Schritt des
niederträchtigen Plans. Mit der spitzen Zunge einer Schlange brachte Soldan
Niallus das Volk immer weiter gegen den Primarchen und den Orden der Großen
Schwinge auf. Er verbreitete das Gerücht, der König und die Eulen würde
heimlich für sich Vorräte horten und sie nicht mit dem Volk teilen wollen. Als
das Volk begann seinen Worten zu folgen ließ er nachts einige Kisten voller
Essen und Wein in die Kammern der Königsburg und dem Tempel der Schwinge
bringen. Als Soldan am nächsten morgen einen Teil des Volkes zur Burg und dem
Tempel führte war es um den Glauben an den Primarchen und die Eulen geschehen.
Die Verzweiflung der hungernden und leidenden Bevölkerung entlud sich als Wurt
gegen die einstigen Regenten des Landes.
Der Primarch wurde gestürzt und der Glauben an die Große Schwinge schwand.
Dies war der Moment auf den Soldan gewartet hatte. Er selbst schwang sich zum
vorüber gehenden Führer Ekuriens auf. Kurz nachdem der I. Despot Soldan
Niallus seine Herrschaft ausgerufen hatte geschah das unerwartete. Der Regen und
der Wind des Landes kamen zurück. Das Volk war sich sicher, die richtige Wahl
mit dem Umsturtz des Alten und dem ernennen des Neuen getroffen zu haben.
Wie war jedoch Soldan Niallus an die Nahrungsvorräte gekommen? Durch seine
guten Handelsbeziehungen sorgte er zwar für eine vorläufige Belieferung des
Volkes mit Nahrung. Doch zu welchem Preis! Niemand war sich der Verträge
bewusst, die Niallus mit den Händlern schloss um für Ekurien zu sorgen. Er
verpflichtete sich dazu einen Teil des Volkes in die Sklaverei zu geben.
Um diesen Handel auch zu gewährleisten wählte er die fähigsten und
skrupellosesten Männer Ekuriens aus und verlieh ihnen Anwesen und gab ihnen
Titel, die sie von nun an führen sollten. Diese Titel sollten vom Vater zum
Sohn weiter gegeben werden und so gewährleisten, dass die Stärksten und Besten
über den einfachen Leuten stehen würden. Gemeinsam mit diesem neu geschaffenen
Adel würde er, Soldan Niallus über sein Ekurien herrschen.
Das Volk merkte von dem langsamen verschwinden der ersten Sklaven wenig. Jede
Kritik an der neuen Ordnung wurde durch den Adel und die neu gegründete Garde
der Eisernen Faust zerschlagen. Den Tempeln der Großen Schwinge wurde keine
Beachtung mehr geschenkt und so war es nur eine Frage der Zeit, bis der erste
Tempel im Brand stand und in ihm die ersten Eulen bei lebendigem Leibe
verbrannten. An stelle der Tempel wurden im gesamten Land Wehrtürme und Burgen
errichtet von denen aus der I. Despot das Volk besser kontrollieren konnte. Die
Eiserne Faust fegte durch das Land und war nach kurzer Zeit berüchtigt und gefürchtet.
Wo immer der Glaube an die Große Schwinge gefördert wurde oder Ungehorsam
bestand schlug sie fest zu. Das einst so friedliche und ruhige Land befand sich
nun im Zeitalter der Eisernen Faust und ihrem starren Griff.
Die Herrschaft der Gewalt und Grausamkeit gegen das eigene Volk schien kein Ende
nehmen zu wollen. Über Generationen stand die Familie Niallus an der Spitze des
Landes und hielt die Zügel fest in der Hand. Doch auch wenn alle bekannten
Tempel der Großen Schwinge geschliffen worden waren und der Widerstand
vermeintlich im Keime erstickt wurde, so hatte die grausame Tyrannen Familie und
ihre Lakaien nicht mit dem Willen des Volkes gerechnet, der im Untergrund noch
immer ungebrochen war.
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IV.
Die Nacht des Sturms
Seit Jahren schon lebte eine Gemeinschaft von gläubigen
Anhängern der Großen Schwinge ein Doppelleben. Tagsüber unterwarfen sie sich
der Eisernen Faust und gingen ihrem täglichen Handwerk nach. Doch wenn die Dämmerung
der Nacht einbrach versammelten sie sich in Kellen und Scheunen um im Geheimen
der großen Schwinge zu huldigen und das Wissen der alten Zeit an die nächste
Generation weiter zu geben.
Über 3 Jahrhunderte wuchs die Gemeinschaft, die einst von vertrieben Eulen und
getreuen des alten Königs gegründete wurde zu einer wahren Macht im Untergrund
heran. Zeichen ihrer Einheit wurde der Ruf des Greifvogels „Hack“. Die
militanten Anhänger nannten sich „Sturmbringer“, denn sie würden es sein,
die mit der Hilfe des Landes selbst eine Wende herbeiführen und Ekurien von dem
Tyrannen befreien würden.
Hitzige Gespräche waren bei diesen geheimen Treffen an der Tagesordnung. Die
Nachkommen der Eulen waren sich sicher, dass man mit Vorsicht und langsam sehr
langsam eine sanfte Wende herbeiführen sollte. Andere militantere Sturmbringer,
die schon seit Jahren an den Waffen geschult worden waren, waren sich sicher,
dass die Befreiung Ekuriens nur durch Gewalt und ein sofortiges Handeln
herbeigeführt werden könnte.
Wie bereits in der Vergangenheit rechnete aber wieder kaum jemand mit dem
unberechenbaren Land selbst. Dieses Land sollte erneut den Ausschlag für einen
Wandeln innerhalb der Bevölkerung bedeuten. Gerade als der Streit über das
Vorgehen gegen den Tyrannen am heftigsten wurde braute sich der Himmel über dem
Land Ekurien zusammen.
Als würde sich eine gewaltige Schwinge ausbreiten zogen Wolken vor den Mond.
Der eh schon starke Wind sauste nun noch heftiger durch die Täler und
Bergkuppen. Donner grollte vom Himmel und die ersten Blitze sausten auf die Erde
nieder. Als der Ruf eines Späher erklang, der davon berichtete das die Burg der
Eisernen Faust so eben von einem Gewaltigen Blitz getroffen wurde und Teile der
Befestigung in Brand steckten brach eine Euphorie unter den Sturmbringern aus.
Die Eulen erkannten die Zeichen und deuteten den Sturm als Botschaft der Großen
Schwinge sich gegen den Tyrann aufzulehnen.
Wie ein Laubfeuer breitete sich die Kunde über den Aufstand im ganzen Land aus.
Angeführt von den Sturmbringern zog ein gewaltiger Tross von freien Ekuren auf
zur Burg des Tyrannen Niallus und der Eisernen Faust.
Die Schlacht war grausam und blutig. Die gut ausgerüsteten Soldaten der
Eisernen Faust hätten sicher ein leichtes Spiel gegen die Ausständigen gehabt,
wenn nicht immer wieder Blitze in die Burg einschlugen und der Wind auf Seiten
der Angreifer war. Vielen Eulen vollführten mächtige Rituale und schienen eins
mit dem Sturm zu werden. Die Pfeile der Sturmbringer schienen vom Wind noch
weiter getragen zu werden und immer ihr Ziel zu treffen. Die starren Reihen der
dem Tyrannen treuen Soldaten lichteten sich immer weiter unter den anstürmenden
Massen. Überall erklang das „Hack“!
Als die Nacht des Sturms sich dem Ende neigte war die Burg gestürmt. Die
Eiserne Faust zerschlagen und der König geflohen.
Die Gemeinschaft der Sturmbringer und Eulen hatten in der Nacht des Sturms
Ekurien aus dem Griff der Eisernen Faust befreit und stand nun vor den Trümmern,
aus denen etwas neues geformt werden sollte.
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V.
Das Zeitalter des Dreigestirns
Von diesem Tag an schrieb man in Ekurien eine neue
Zeitrechnung. Die Nacht des Sturms war nun eine feste Größe und sollte für
immer im Gedächtnis der Menschen bleiben. Schon am ersten Morgen trafen sich
die Führer der Eulen und Sturmbringer mit einem kurzfristig einberufenen Rat
der freien Bewohner des Landes in der Stadt Wolkenthron.
Schnell war man sich einig. Wolkenthron sollte weiter die Hauptstadt des Landes
sein und als Sitz des Rates dienen, der sich aus einer Eule, einem Sturmbringer
und einem einfachen Bürger Ekuriens zusammensetzen würde. Allen Mitgliedern
des Dreigestirns sollten die gleichen Rechte zustehen und gemeinsam sollten sie
das Land in eine bessere Zukunft führen. Der Vorstand des Dreigestirns sollte
immer derjenige Vertreter einer der drei Gruppen sein, der von der Großen
Schwinge selbst bestimmt wurde. Nie wieder sollte sich das freie Ekurien unter
einem Herrscher niederwerfen müssen.
So geschah es, dass die amtierende Eulenmutter Achela Schwarzauge den Vorstand des
Dreigestirns übernahm. Den Sturmbringern wurde die alte Feste der Eisernen
Garde übergeben. Diese sollte von nun an Sturmburg heißen und als
Ausbildungsstätte und Sitz des Ordens fungieren. Einige der Soldaten, die früher
der Eisernen Garde gedient haben schlossen sich den Sturmbringer an und
garantierten, nachdem sie den Schwur auf die große Schwinge geleistet hatten,
eine noch strengerer militärische Ordnung.
Das Dreigestirn beschloss weiter, dass Kundschafter in alle Himmelsrichtungen
entsandt werden sollten. Für diese Aufgabe wurden die besten der Sturmbringer
ausgesucht und zwei Jahre zu „Krähen“ ausgebildet. An die Seite eines jeden
Krähentrupps sollte immer einer Eule reisen, da diese auch in der Ferne den
Glauben an die Große Schwinge in der Truppe aufrechterhalten und unter den
anderen Völkern verbreiten würde. Zudem würde sie beratend zur Seite stehen.
Ekurien würde sich der Welt öffnen zu ersten Mal in der Geschichte des Landes
würde man versuchen Beziehungen zu den Völkern aufzubauen, die hinter den großen
Gebirgen Ekuriens im dunkel lagen.
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