Nestor
Alexius Greif
Erster im Rat der Veteranen
(des Ordens der Sturmbringer)
Mit einem leisen Knarren öffnet sich die Tür zur großen Ratshalle der
Sturmburg. Es ist noch früh und die sonst so geschäftige Festung ist noch
nicht zum Leben erwacht. Ein Mann betritt die alten Gewölbe. Die Schritte
seiner schweren beschlagenen Stiefel hallen von den Wänden wieder. Langsam
durchschreitet die schon ergraute aber immer noch kräftige Gestalt die altehrwürdige
Halle. Das Gewicht seiner schweren Rüstung scheint dem Mann nichts auszumachen.
Vor einem Gemälde, das eine Gruppe Bewaffneter zeigt, die zornig eine Familie
aus einem gewaltigen Gebäude treibt, bleibt er schließlich stehen. Ruhig
betrachtet der Mann die Szene aus längst vergangenen Tagen. Seine besondere
Aufmerksamkeit gilt dabei den flüchtenden Personen, unter ihnen ein gekrönter
Mann und eine Frau, gehüllt in die traditionellen Priestergewänder der
Schwinge. Diese Szene, festgehalten von einem unbekannten Maler, sollte die
schwerste Zeit des Landes einleiten.
Ein grimmiges Lächeln huscht über das vernarbte Gesicht des Mannes als sich
dieser schließlich von dem Bildnis abwendet. Mit der behandschuhten Faust
schiebt er die Augenklappe, die seine linke Augenhöhle bedeckt wieder in die
richtige Position. „Nein, so etwas sollte nie wieder geschehen“ denkt Nestor
Alexius Greif bei sich. Jeden Morgen betritt er die Hallen um sich selbst an die
Bedeutung seiner Aufgabe zu erinnern. Seit sein Urgroßvater bei Verteidigung
des Landes weder Glauben noch Herrscher vor den Häschern des Despoten zu schützen
vermochte, hatte seine Familie alles daran gesetzt den Sturz des Tyrannen
herbeizuführen. Für die Beseitigung der Tyrannei, die Errichtung der neuen
Ordnung und die Wiederherstellung des eigenen Glaubens hatte er gekämpft und würde
er auch in Zukunft kämpfen. Solange er dem, unter anderem mit dem Schutz des
Dreigestirns beauftragten Veteranenrat führte und ihn die große Schwinge nicht
verließ, würde er, der sich bereits in zahlreichen Schlachten als Führer von
Rebelleneinheiten bewährt hatte, die neue Ordnung schützen. Nestor Alexius
Greif streicht sich über den grauen Kinnbart und verlässt die Halle. Ein Tag
ist kurz und es gibt noch viel zu tun. Das Zeichen für die Morgenandacht ertönt…
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